Wieviel Lust braucht der Mensch?
Dr. med. Remo Bernasconi
„Wie geht es Deinem Sohn mit dem Studium?
Er ist nicht mehr an der Uni, er hat plötzlich aufgehört zu studieren, er sagt Geschichte interessiere ihn immer noch, aber er hätte keine Lust mehr zu lernen.“
„Hast Du ein neues Kleid?“ Du, ich habe es gestern gekauft, ich wusste schon im Geschäft, dass es mir nicht passt und ich es nicht tragen werde, aber ich hatte solche Lust darauf, weil ich es so schön finde, ich konnte meiner Lust nicht widerstehen!“
Wir leben in einer hedonistischen, Erlebnis orientierten Gesellschaft in welcher ein anhaltender Druck besteht, ständig auf etwas Lust zu haben, welcher durch das zunehmende Angebot von angeblich Lust bringenden Kaufobjekten und Veranstaltungen noch verstärkt wird. Dadurch wird unsere Fähigkeit, auf etwas Lust zu haben strapaziert.
Als Folge davon gibt es einerseits eine“ neue „Art von Unlust in Form einer mangelnden Motivation, andererseits eine totale Lustabhängigkeit vor allem bei jungen Menschen.
Die „neue“ Unlust, die heute vermehrt in Erscheinung tritt, gibt es schon seit der Antike, die klassische Beschreibung davon finden wir bei Evagrius Ponticus, einem Mönch der Wüste Aegyptens aus dem 4.Jahrhundert, sie hiess damals Akedia. Im Gegensatz zum Depressiven, ist der an Akedia leidende Mensch nicht traurig.Während der depressive Mensch keine Lust hat auf etwas, hat der an Akedia leidende Lust auf Nichts, Lust nichts zu machen.
Zielsetzung
Nachdenken über Lust und Unlust soll den Teilnehmern helfen ihren an Unlust leidenden Mitmenschen ein besseres Verständnis entgegen zu bringen und ihre eigene Lust besser in Griff zu bekommen.
Seminarleiter
Dr. med. Remo Bernasconi, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH mit Privatpraxis in Versoix (GE).
Seit 2009 Lehrbeauftragter des Humboldt-Studienzentrums für Philosophie und Geisteswissenschaften der Universität Ulm.Forschungsschwerpunkt: Anthropologie der Sucht und ihrer Grenzgebiete. Buchpublikation: mit Christian Hoffstadt als Hrsg. An den Grenzen der Sucht (dreisprachig de, fr, en), 2009 projekt verlag Bochum/Freiburg.
Samstag, 25. September 2010 9.30 – 17.00 Uhr
Institut für Philosophie und Ethik
Stiftung Fritz Allemann
Witikonerstrasse 15, 8032 Zürich
Seminarkosten
CHF 190.—
