Der “homo oeconomicus” zwischen Autoreferenz und Transzendenz
Dr. Christoph Weber-Berg
Martin Luther bezeichnete den Menschen im Zustand der Sünde als „homo incurvatus in se ipsum“, als in sich selbst gekrümmten Menschen. Er dachte dabei nicht primär an moralisch verwerfliche Selbstfixiertheit, sondern an den Versuch des Menschen, sich sein Heil selber zu erschaffen. Wer aus eigener Kraft über sich selber hinaus wachsen will, endet ernüchtert bei sich selber, um sich gerade dadurch zu verfehlen. Für den frühen Soziologen und Kulturphilosophen Georg Simmel wuchs dieser Umstand zur „Tragödie der Kultur“ aus: Kultur als „Weg der Seele zu sich selber“ endet allzu oft in Selbst-Entfremdung.
Der Vortrag reflektiert die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Perspektiven von Luthers Anthropologie und Simmels Kulturtheorie und postuliert die Notwendigkeit einer neuen Sichtweise auf den Menschen als wirtschaftlich tätiges Wesen.
Referent
Dr. Christoph Weber-Berg ist Theologe und Wirtschaftsethiker. Er forscht und lehrt an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich
Donnerstag, 25. November 2010 19.15– 20.30 Uhr
Institut für Philosophie und Ethik
Stiftung Fritz Allemann
Witikonerstrasse 15, 8032 Zürich
Unkostenbeitrag
CHF 30.—
